Wein und Schokolade

Genuss oder Verdruss?

Experimentieren erlaubt

Wein und Schokolade

Wein und Schokolade, das war jahrzehntelang eine klare Sache: Zwar liebte man beides mit Inbrunst, aber nur eins nach dem andern. Zusammen waren sie eine Mesalliance, eine Missheirat, die zum Scheitern verurteilt war, bevor man überhaupt zum Überlegen oder Probieren kam. Die Schokolade sei viel zu süß und zu bitter und deshalb geradezu ein Erzfeind edler Weine. Sie verklebe zudem die Geschmackspapillen und mache diese auch für die besten Tropfen unzugänglich, ja unerreichbar. Hindernis über Hindernis, wie bei den berühmten Königskindern, die nie zueinander gefunden haben.
Und plötzlich änderte sich alles: Seit einigen Jahren hat man die Herausforderung angenommen und landauf, landab werden Seminare, Workshops und Tastings zum Thema „Wein und Schokolade“ angeboten. So lautet die neue Erkenntnis: Schokolade ist zwar süß, bitter und schmelzend-viskos. Aber die Welt des Weins ist auf der anderen Seite so reich, dass sich sicher auch für diese Herausforderung eine perfekte Partnerschaft finden lassen wird. Und sie fand sich. Natürlich! Und sogar in erstaunlicher Fülle.

Lösung eins:
Kräftige, im Holz ausgebaute Rotweine, vor allem aus südlichen Anbaugebieten: australischer Shiraz zum Beispiel oder Cabernet Sauvignon, kalifornischer Zinfandel oder ein majestätischer Wein aus dem Médoc. Die Bitterschokolade-Noten neuer Barriques schlagen eine perfekte Brücke zu dunkler, nicht zu süßer Schokolade.

Lösung zwei:
Süßweine aus aller Welt. Hier hat sich ein Experimentierfeld eröffnet, das noch lange nicht ausgelotet ist. Der hohe Alkoholgehalt der Weine löst die cremige Struktur der schmelzenden Schokolade perfekt auf, die Süße bietet der Bitterkeit Paroli und die kräftigen Aromen des Weins und der Schokolade ergänzen sich in einer harmonischen Balance. Ein schon lang bekannter Klassiker ist Bitterschokolade mit Banyuls. Die Aromatik des Weins enthält erstaunlich viel „Schokoladiges“, auch die herb-bitteren Düfte der mediterranen Vegetation erinnern an die dunklen Bitterstoffe einer edlen Schokolade. Dies ist der Prototyp, von dem aus man Ausflüge machen kann zu den anderen Mitgliedern der gleichen Weinfamilie: zu Bual aus Madeira, Tawny Port aus Portugal, Tokaier aus Ungarn.

Lösung drei:
Zu leichteren Schokoladengerichten, wie einer Mousse oder Schokoladeneis, kann auch ein Moscato d’Asti hervorragend passen. Eine im Wein schwimmende Kugel Schokoladeneis bietet einen überraschenden und hervorragenden Genuss. Und selbst ein reifer demi-sec Champagner kann da erstaunlich gut mithalten.

Fazit: Sind die alten Vorurteile einmal über Bord, fängt der Genuss erst richtig an und eine Lösung vier, fünf und sechs wird sich sicher auch noch finden lassen. Probieren geht über Studieren! Viel Spass beim Experimentieren!

Von Beat Koelliker

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