Wir haben es selbst in der Hand, zu sein wie wir gerne sein würden. Zum Beispiel mit dieser Übung.

Aus dem Buch Why Not?

Aus dem Buch Why Not?

»Das Geheimnis von Veränderung besteht darin, deine ganze Energie darauf zu konzentrieren, Neues aufzubauen, statt Altes zu bekämpfen.« SOKRATES

Nichts bleibt, wie es ist. Das Leben befindet sich in einem ständigen Fluss. Zustände, Gefühle, Gedanken – alles bewegt sich, alles ist vergänglich. Die Natur kennt keinen Stillstand. Warum glauben wir Menschen aber, dass wir eine
Ausnahme bilden? Schließlich sind wir Bestandteil dieser Natur und dieser Welt. Als ich meinen achtzehnten Geburtstag gefeiert habe, dachte ich, dass so, wie mein Leben zu diesem Zeitpunkt war, auch mein zukünftiges Leben wäre, dass ich also mit meiner Volljährigkeit nun die Person geworden bin, die ich immer werden sollte. Komisch ist nur, dass ich mit 28 exakt das Gleiche gedacht habe. Und selbst jetzt, mit 38, ertappe ich mich hin und wieder bei diesem Gedanken. Wenn ich diese drei Ichs nun miteinander vergleiche, von denen ich zu den jeweiligen Zeitpunkten felsenfest annahm, dass das der endgültige Lars wäre, dann können sie unterschiedlicher nicht sein. Mein Freundeskreis, meine Gewohnheiten, meine Interessen, meine Gedanken – alles änderte sich mit der Zeit, die ins Land strich! Wir unterliegen dem Irrglauben, dass wir zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens die Version unseres endgültigen Ichs erreicht haben. Ist das nicht seltsam?

Lass deine Fantasie spielen

Der Grund dafür liegt, so glaube ich, in unserer schwach ausgeprägten Vorstellungskraft. Uns fehlt einfach die Fantasie. Wäre die Kunst der Vorstellungskraft ein Schulfach, würde unsere Welt heute völlig anders aussehen, da sie aber viel zu selten gefördert wird, verkümmert sie mit der Zeit. Wir Menschen haben schlichtweg keine Übung darin, uns gewisse Dinge bildlich in der Zukunft auszumalen – wer wir sein könnten, was wir tun könnten und vor allem wie wir uns an diesem Ort fühlen würden. Und weil uns diese Vorstellungskraft fehlt, greifen wir auf Bilder aus unserer Vergangenheit zurück. Dort waren wir schon. Das kennen wir. Aber wir haben enorme Schwierigkeiten damit, uns vorzustellen, dass in drei Jahren alles ganz anders sein könnte. An diesem Punkt passiert die Katastrophe. Wir interpretieren unsere Gedanken falsch. »Ich, ein großer Champion, ein Profisportler, eine Mutter, ein Professor, eine Ärztin, eine Geschäftsführerin? Schön wär’s, aber das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.« Was wir mit diesem Satz wirklich meinen, ist lediglich unsere fehlende Fantasie und nicht das Ergebnis selbst. Wenn es Jahre später nämlich doch eintritt, ist es für uns dann das Normalste der Welt. Warum? Weil wir den Weg dorthin wirklich gegangen sind, die gespeicherten Bilder unserer Vergangenheit jederzeit als Referenz abrufen können und es uns nicht mehr nur vorstellen müssen.

Drei Beispiele:

  • Früh zu Bett gehen.
  • Das Zimmer / Haus nicht verlassen.
  • Frischen Spinat essen.

Als Kind empfanden wir diese Punkte oftmals als Bestrafungen. Zwei Jahrzehnte später würden viele Erwachsene die gleichen Punkte mit einem hoffnungsfrohen Lächeln als das exakte Gegenteil bezeichnen. Die Zeit ändert einfach alles. Nichts ist für immer. Als du das erste Mal Liebeskummer hattest, dachtest du sicher, dass dieses Gefühl von Schmerz und Leid niemals enden würde. Heute bist du froh und dankbar, dass diese Person kein Teil deines Lebens mehr ist. Frag dich selbst: Ist dein Lieblingsgericht heute immer noch das gleiche wie damals, als du noch zu Hause bei deinen Eltern gewohnt hast? Sind die Orte, an denen du heute Urlaub machst, die Bücher, die du liest, die Filme, die du dir im Kino ansiehst, die Themen, über die du mit deinen Freunden bei einer Flasche Rotwein diskutierst, immer noch die gleichen wie vor zehn Jahren? Die Wahrheit ist: In einem Jahr wirst du nicht mehr der gleiche Mensch wie heute sein. Du bist heute schon nicht mehr der, der du gestern warst.

Du kannst entscheiden

Eines Tages kam ein junger Mann zum Philosophen Sokrates und fragte: »Was ist das Geheimnis eines erfolgreichen Lebens?« Sokrates antwortete: »Komm morgen früh zum Fluss.« Am nächsten Morgen standen die beiden am Ufer und Sokrates sagte: »Wir gehen jetzt schwimmen!« Obwohl ihm das Wasser zu kalt war, folgte der junge Mann bereitwillig. Als sie schließlich bis zum Hals im Wasser standen, packte Sokrates ihn und drückte seinen Kopf tief unter Wasser. Der arme Kerl wehrte sich verzweifelt, aber der Alte ließ ihn nicht los. Nach einer Weile lockerte er seinen Griff und ließ den jungen Mann los, der völlig außer sich war. Sokrates, der ganz ruhig blieb, fragte schließlich: »Als du dort unten im Wasser warst, was wolltest du am meisten?« – »Was meinst du?«, fragte der junge Mann überrascht. »Wonach hast du dich am meisten gesehnt?« – »Nach Luft natürlich!«, rief der junge Mann. »Siehst du«, sagte Sokrates, »das ist das Geheimnis des Erfolges. Wenn du es so sehr willst, wie du gerade Luft atmen wolltest, als du unter Wasser warst, dann wirst du auch Erfolg haben.« – »Du meinst, ich kann es selbst entscheiden?« – »Jetzt.«