Tipps zur Selbstversorgung

In Gesellschaft gedeiht es sich besser – oder nicht?

Der Kalender bestätigt, was die Natur sich schon vor einigen Wochen gedacht hat: Es ist Zeit für Frühling! Und das bedeutet für alle Gartenfreunde: Ab ins Beet! Nur was pflanze ich wo hin und warum bleiben die Erdbeeren eigentlich immer so mickrig? Vielleicht hat es was mit der Gesellschaft zu tun, in der sie gedeihen sollen. Haben Sie die Kartoffeln direkt daneben? Dann ist das vielleicht des Rätsels Lösung.

Der Ethnobotaniker und leidenschaftliche Selbstversorger Wolf-Dieter Storl erklärt Ihnen in seinem Buch „Der Selbstversorger“ ausführlich, wie auch Sie zum Selbstversorger werden können und gibt viele Tipps und Tricks rund um das Gärtnern. Einige davon möchten wir mit diesem Auszug aus dem Buch mit Ihnen teilen und erklären, warum die Gesellschaft, in der eine Pflanze gedeiht, durchaus Einfluss auf ihr Wachstum haben kann.

Pflanzen, die sich gut vertragen

Seit die Menschen vor rund 10 000 Jahren anfingen, Pflanzen zu kultivieren, haben sie beobachtet, dass manche Arten gut zusammen gedeihen und andere nicht. Daraus hat sich ein  Schatz an Erfahrungen über das Anlegen von Mischkulturen gebildet. Die Hinweise sind nützlich, aber man darf sie auch nicht überbewerten. Sie sind nur ein Faktor neben vielen anderen, wie Düngung, Bodenbehandlung und zeitgerechte Aussaat.

Bohnen:
Hülsenfrüchte vertragen sich mit fast allen Gemüsen. Buschbohnen sind eine geeignete Zwischenpflanzung für Erdbeeren, Frühkartoffeln, Kohl, Sellerie oder Gurken.

Erbsen: Zuckererbsen, Markerbsen oder Schalerbsen vertragen sich mit den meisten Gemüsen, insbesondere mit Möhren, Dill, Kohl, Radieschen, Gurken, Spinat, Salat und Speiserüben.

Erdbeeren:
Lattich, Salat und Löwenzahn – auch der gezüchtete Salatlöwenzahn – begünstigen Erdbeeren. Mit Shungiku (Gemüse-Chrysanthemen), Buschbohnen und Gurkenkraut (Borretsch) kommen sie auch gut zurecht. Zwischenpflanzungen von Studentenblumen, Ringelblumen, Knoblauch oder Mizuna (Japanischer Blattsenf) wehren Nematoden ab.

Erdbeerernte - Selbstversorger



Gurken:
Salat, Dill, Fenchel, Bohnen, Erbsen, Kohl, Sonnenblumen und Zuckermais sind mögliche Begleiter der Gurken.

Kartoffeln: Die Erdäpfel vertragen Bohnen, Puffbohnen sowie Kohl als Zwischenpflanzung. Eine Umrandung des Kartoffelackers mit Hanf, Kapuzinerkresse, Fingerhut oder Meerrettich soll sich gut bewähren. Die Nachbarschaft mit Hanf wirkt positiv gegen Mehltaubefall.

Kohl: Die Kohlsorten, egal ob Blumenkohl, Brokkoli, Rosenkohl, Spitzkohl, Weißkohl oder Wirsing, vertragen sich gut mit Zwischenpflanzungen von Salaten, Endivien, Mangold oder Sellerie. Randbepflanzungen mit Kamille, Ringelblume und Dill haben sich bei Kohl ebenfalls bewährt.

Kohlrabi: Diese Kohlsorte kann mit Rote Bete oder Zwiebeln auf ein Beet gepflanzt werden.

Kräuter: Kräuterbeete oder Kräuterzeilen haben wegen ihrer duftenden Essenzen eine positive Wirkung auf in der Nähe wachsendes Gemüse. Studien belegen, dass die Nachbarschaft von Brennnesseln den ätherischen Ölgehalt bei Minzen erhöht; Knoblauch unterstützt Rosengewächse und Erdbeeren; Kapuzinerkresse zieht Blattläuse an und hält sie somit von anderen Pflanzen fern.

Mangold: auch Krautstiel oder Römischer Kohl genannt, eignet sich für eine Mischkultur mit Kohl, Zwiebeln, Salat oder Endivien.

Möhren: Wie alle Schirmblütler gedeihen Karotten oder Möhren mit Begleitern aus der Familie der Zwiebelgewächse (Lauch, Zwiebel, Schnittlauch). Durch diese Nachbarschaft werden Möhrenfliege, Lauchmotte und Zwiebelfliege abgewehrt.

Salat: Salate und Lattiche profitieren von einer Gemeinschaft mit Karotten, Radieschen, Erdbeeren, Gurken und Borretsch.

Tomaten: Die Paradiesfrüchte vertragen sich mit den meisten anderen Gemüsen. Zwiebeln, Neuseeländer Spinat und Kapuzinerkresse mögen sie besonders.

Zwiebeln: lassen sich gut mit Roten Beten, Erdbeeren, Tomaten, Salat und allen Schirmblütlern oder auch Doldengewächsen als Nachbarn kombinieren.



Ungünstige Pflanzenkombinationen

manche Pflanzen gedeihen deutlich schlechter in Gesellschaft von bestimmten anderen Pflanzen.

Dazu gehören folgende:

Bohnen: vertragen sich schlecht mit Zwiebelgewächsen (Lauch, Schalotten, Knoblauch, Zwiebeln, Gladiolen).

Erbsen: wachsen weniger gut neben Zwiebelgewächsen; auch Nachtschattengewächse wie Tomaten oder Kartoffeln mögen sie nicht besonders. Verschiedene Arten von Hülsenfrüchten, etwa Bohnen und Erbsen, sollte man nicht zusammen in ein Beet setzen.

Erdbeeren: mögen keinen Kohl in ihrer Nähe.

Gurken: Kartoffeln, Rettich und Spinat sind ungünstig neben Gurken.

Kartoffeln: In der Gesellschaft von Sonnenblumen, Tomaten, Gurken oder Kürbissen werden die Kartoffeln eher von Mehltau und Pilz befallen. Auch Sellerie und Rote Bete sind keine guten Begleiter der Erdäpfel.

Tomaten: Man sollte Tomaten nicht mit Kartoffeln, Erbsen oder Gurken ins selbe Beet setzen. Das mögen sie gar nicht.

Zwiebeln: Bohnen, Erbsen und Rettiche sind eher ungünstig für Zwiebeln.

Wenn Sie Interesse an Selbstversorgung haben, aber keinen großen Garten besitzen, dann ist vielleicht „Selbstversorgung auf kleinstem Raum“ für Sie interessant.

Erzähen Sie uns von Ihren Erfahrungen: Haben Sie manchmal das Gefühl, dass etwas besser oder schlechter wächst und haben auch schon überlegt, warum das so sein könnte?

Wenn Sie mehr über Wolf-Dieter Strol erfahren möchten, dann schauen Sie doch mal auf seine Webseite www.storl.de und lernen den bekannten Autor, Ethnobotaniker und passionierten Selbstversorger besser kennen!

Kommentare
von Christoffer am 27.03.2014
Gründe für Pflanzengemeinschaften
Hallo Diese Mischkulturtipps/ Pflanzengemeinschaften findet man überall im Netz. Aber so gut wie nie findet man ein Warum. Ob die Pflanzen nur deswegen gut passen, weil sie füreinander Nützlinge anziehen/Schädlinge fernhalten oder ob sie durch ihre Wurzelausscheidungen sich gegenseitig fütter... dazu steht nie was, wenn gesagt wird, wer mit wem gut kann. Ich würde mir da mal eine genauere Erklärung zu jedem Pflanzenpaar wünschen.
von GU Online-Redaktion am 28.03.2014
@ Christoffer
Lieber Christoffer, bei Mischkulturen ist vorteilhaft, dass sich allein durch die Pflanzenvielfalt Schädlinge und Krankheitserreger, die auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert sind, schlecht ausbreiten können. Pflanzen der gleichen Familie reichern den Boden mit Wurzelälchen, Pilzen oder spezialisierten Schädlingen an, sodass sie nur alle 2-4 Jahre auf dem selben Standort angebaut werden sollten. Zusätzlich können Wurzelausscheidungen und ätherische Öle verschiedener Arten die Pflanzen gegenseitig im Wachstum fördern oder beeinträchtigen. Fruchtfolge und Mischkultur sind daher die Basis eines gelungenen Anbauplans. Biologisch-dynamische Fruchtfolgen in Mischkultur wechseln jährlich in einem Beet um diese Effekte möglichst gut zu nutzen. In "Bio-Gärtnern für Selbstversorger" können Sie ab Seite 60 noch einmal genau nachlesen: http://www.gu.de/buecher/gartenratgeber/gartengestaltung-pflege/681773-biogaertnern-fuer-selbstversorger/ Viele Grüße, Ihre GU Online-Redaktion
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