Fakten-Check

Corona-Impfung

(Stand: 26.02.2021)

 

Was Sie zu den Corona-Impfstoffen wissen sollten

Durch die Covid-19-Pandemie wurde unser Spektrum von nutzbaren Impfstoffen für viele Menschen unerwartet erweitert. An den genutzten Methoden wurde jedoch bereits seit Jahrzehnten geforscht. In unserem Buch unterscheiden wir zwischen passiven und aktiven Impfstoffen.

Bisher in der Humanmedizin verwendete Impfstoffe

Passive Impfstoffe bestehen aus Antikörpern, die direkt ins Blut gegeben werden. Sie werden in der Regel zur Therapie oder nach einer Infektion als Postexpositionsprophylaxe (man hatte Kontakt zu einem Erreger und es soll eine Infektionskrankheit verhindert werden) eingesetzt, nicht aber zur Primärprävention.

Bei den aktiven Impfstoffen wurden bis 2019 von der STIKO Tot- und Lebendimpfstoffe empfohlen. Bei Totimpfstoffen werden entweder abgetötete Mikroorganismen (Viren oder Bakterien) oder Teile davon genutzt. Diese Teile erkennt das Immunsystem und bildet Antikörper dagegen. In diesen Impfstoffen werden in der Regel auch sogenannte Adjuvantien als Wirkverstärker eingesetzt. Lebendimpfstoffe sind Mikroorganismen, die uns zwar infizieren und sich vermehren können, jedoch keine (schwere) Infektionskrankheit erzeugen und niemand anders anstecken können. Eine Ausnahme ist der Lebendimpfstoff gegen Polio (hier gab es sehr selten Impf-Polio), deswegen wird in Deutschland heute ein Totimpfstoff gegen Polio eingesetzt.

Neu hinzugekommen sind jetzt die mRNA-Impfstoffe und die Vektorimpfstoffe

mRNA-Impfstoffe wurden ursprünglich mit dem Ziel entwickelt, gegen Krebs eingesetzt zu werden – das ist allerdings noch in der Entwicklung. Viele Krebszellen haben an ihrer Oberfläche Proteine, die sie von gesunden Körperzellen unterscheiden. mRNA-Impfstoffe sollen dem Immunsystem beibringen, diese Proteine zu erkennen und die Krebszellen zu beseitigen. Diese Lösung ist sehr elegant, weil das Immunsystem ohnehin täglich Tumorzellen beseitigt. mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 sollen Körperzellen dazu bringen, dem Immunsystem Proteine zu präsentieren, die auf der Oberfläche von Coronaviren sind. mRNA-Impfstoffe enthalten Messenger-Ribonukleinsäure. mRNA wird im Rahmen des normalen Zell-Lebens als Spiegelbild von der DNA (Desoxyribonukleinsäure) abgelesen. Sie ist ein Abbild von einem sehr, sehr kleinen Abschnitt unseres gesamten Genoms. Dieser Prozess funktioniert in gesunden Zellen nur in eine Richtung: von der DNA zur mRNA – die mRNA kann die DNA nicht verändern*. Anschließend wird die mRNA aus dem Zellkern in das Zytoplasma (ganz grob gesagt, ist das die Zelle ohne den Zellkern) geschleust und vom Zellapparat gelesen. Der Zellapparat übersetzt die mRNA in Aminosäuren, setzt diese zusammen, und daraus entstehen Proteine, die der Körper zum Leben benötigt.

mRNA-Impfstoffe bringen die mRNA von außen in das Zytoplasma. Um in die Zelle zu gelangen, ist es in kleine „Fettblasen“ eingepackt. Diese Fettblasen verbinden sich mit der Hülle der Zelle (die auch aus Fett besteht) und so gelangt die mRNA in die Zelle. Dort wird sie vom Zellapparat gelesen und in ein Protein übersetzt. Dieses Protein wird dann an die Zelloberfläche transportiert und dort in besonderen Rezeptoren präsentiert. Im Falle der Covid-19-Impfstoffe sieht das Protein so aus, wie das Oberflächenprotein des Coronavirus. Bestimmte Immunzellen erkennen das Protein als fremd und beginnen eine Immunreaktion, die unter anderem in der Bildung von Antikörpern mündet. Diese Antikörper erkennen sehr genau das Coronavirus.

Wenn sich ein Mensch mit „Corona“ infiziert, binden die Antikörper an das Virus, sodass es keine Zellen infizieren und sich vermehren kann. Das Immunsystem erkennt die gebundenen Antikörper und sorgt für weiteren Schutz. mRNA-Impfstoffe sind in der Lage, eine starke Immunreaktion hervorzurufen und kommen daher ohne sogenannte Adjuvantien (Hilfsstoffe, die eine Immunantwort auslösen) aus. Die mRNA wird nur solange abgelesen, bis sie von den Reinigungsmechanismen der Zelle abgebaut wird. Sie wird nicht neu gebildet. Dadurch ist der Prozess somit zeitlich limitiert – das ganze dauert rund 24 Stunden. In der alten Klassifikation dürften mRNA-Impfstoffe zu den Totimpfstoffen gehören. Die COVID-19-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna sind mRNA-Impfstoffe.

Die Vektorimpfstoffe haben ein ähnliches Ziel wie die mRNA-Impfstoffe. Am Ende soll ein Protein dem Immunsystem präsentiert werden, das so aussieht, wie ein Oberflächenprotein des Coronavirus. Der Weg ist jedoch ein anderer.

Die Information (die DNA-Sequenz) für das Protein wird in der DNA eines Virus in die Zelle gebracht. Das Virus ist ein Überträger (Vektor) für die Information, daher der Name Vektorimpfstoff. Ein Virus für einen Vektorimpfstoff muss einige Kriterien erfüllen, damit man es nutzen kann. Es darf nicht weit verbreitet sein, denn sonst hätten viele Menschen bereits Antikörper dagegen. Diese Antikörper würden das Virus neutralisieren, bevor es ein eine Zelle gelangen kann. Das „Corona-Protein“ wird aber erst in der Zelle gebildet, darum muss das Virus eine menschliche Körperzelle infizieren können (das können nicht alle Viren), darf aber gleichzeitig nicht selbst eine schwere Erkrankung oder andere negative Effekte hervorrufen. Das Gute ist, dass Wissenschaftler mittlerweile viele Viren gut kennen und gezielt Fähigkeiten ein- und ausbauen können.

* Es gibt RNA-Viren wie das HI-Virus, die sich in das Genom von Zellen einbauen (Retroviren). Die Retroviren bringen aber die für die Umwandlung von RNA in DNA benötigten Enzyme mit.

Was weiß man schon zur Sicherheit der Impfstoffe?

Um zugelassen zu werden, muss eine Impfung ein sehr gutes Sicherheitsprofil haben. Trotzdem wird die Sicherheit auch nach der Zulassung engmaschig überprüft. Nur so können ganz seltene Nebenwirkungen erkannt werden. Außerdem werden so mögliche Langzeitfolgen untersucht. Da die Impfungen gegen COVID-19 noch nicht lange auf dem Markt sind, sind bislang nur Nebenwirkungen bekannt, die im Zeitraum von bis zu sechs Monaten nach der Impfung aufgetreten sind. In diesem Zeitraum treten allerdings ohnehin die meisten Nebenwirkungen auf. Dennoch: Die Überwachung ist aktiv und läuft. Regelmäßige Updates gibt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) auf seiner Webseite: https://www.pei.de/DE/newsroom/dossier/coronavirus/arzneimittelsicherheit.html

Im letzten Bericht vom 12.02.21 überschaut das PEI fast 4 Millionen Impfungen seit Beginn der Impfkampagne. Auf alle drei zugelassenen Impfstoffe zusammen kommen pro 10.000 Impfdosen 19 gemeldete vorübergehende Allgemeinreaktionen wie Müdigkeit, Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen sowie drei schwerwiegende Reaktionen, die entweder im Krankenhaus behandelt oder bei denen die Reaktionen als medizinisch bedeutsam eingeordnet wurden. Diese Zahlen entsprechen dem, was man aus der Packungsbeilage erwarten würde. Insgesamt wurden auch Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gemeldet. Diese wurden nachuntersucht und es zeigt sich, dass die beobachtete Anzahl an Todesfällen nach der Impfung die erwartete Anzahl der Todesfälle ohne Impfung nicht übersteigt. Auch wenn man internationale Daten hinzunimmt, sind bislang keine unerwarteten Ereignisse aufgetreten. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis wird also weiter als positiv bewertet.

Wie viele Menschen wurden weltweit schon geimpft?

Das Buch

Fakten-Check Impfen

Beim Impfen scheiden sich oft die Geister – viele folgen den Empfehlungen ihrer Ärztin oder ihres Arztes, andere denken lange nach, suchen Informationen, bis die Köpfe rauchen, wissen nicht mehr, was und wem sie glauben sollen. Ein Buch für alle über das Impfen – geht das? Ja! „Fakten-Check Impfen“ liefert kompakte Antworten auf die wichtigsten praktischen Fragen und entzaubert nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft verbreitete Mythen und Falschinformationen.
Fakten-Check Impfen
14,99 

Über unsere Autoren

Autorenportrait_Nicola Kuhrt_Kreis

Nicola Kuhrt ist Medizin- und Wissenschaftsjournalistin und Co-Gründerin des Online-Magazins MedWatch, das Medizin-Fakes im Netz aufdeckt und darüber berichtet.

Zum Autorenprofil
Autorenportrait_Jan Oude-Aost_Kreis

Dr. med. Jan Oude-Aost ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Sein erster Arbeitsplatz in einer Autismus-Ambulanz ließ ihn die Folgen von Verunsicherung rund um Impfungen selbst erleben.

Zum Autorenprofil
Autorenportrait_Cornelia Betsch_Kreis

Prof. Dr. Cornelia Betsch forscht als Psychologin seit über zehn Jahren zur Psychologie der Impfentscheidung. Sie arbeitet im Bereich Impfen und COVID-19 mit nationalen und internationalen Gesundheitsorganisationen zusammen.

Zum Autorenprofil

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN

Der Impfstoff von AstraZeneca ist ein Vektorimpfstoff. Die erste Bedingung wurde dadurch erfüllt, dass in dem Impfstoff ein Adenovirus verwendet wird, das normalerweise Schimpansen infiziert. Damit ist gewährleistet, dass keine oder nur sehr, sehr wenige Menschen Antikörper dagegen entwickelt haben. Es gibt auch Adenoviren, die Menschen infizieren – die meisten von uns hatten bereits das Vergnügen mit einigen. In unserem Buch wird auch eine Impfung gegen Adenoviren erwähnt (Seite 97). Die Information für das „Corona-Protein“ liegt in dem Vektorvirus als DNA vor, weil es ein DNA-Virus ist. DNA kann nur im Zellkern abgelesen werden, darum muss das Vektorvirus in den Zellkern gelangen. Dort wird die DNA in mRNA übersetzt und gelangt in das Zytoplasma. Dort ist der Weg so wie bei den mRNA-Impfstoffen.

Debatte um den AstraZeneca-Impfstoff

Wie konnte der Impfstoff AZD1222 von AstraZeneca – entwickelt von einem Team der Universität Oxford – zu einem Impfstoff werden, der in der Öffentlichkeit als Impfstoff zweiter Klasse bezeichnet wird?

Einzelne Medien berichteten Ende Januar 2021 über eine möglicherweise geringere Wirksamkeit des Vektorimpfstoffes AZD1222 gegenüber dem BioNTech/Pfizer -Impfstoff für über 65-Jährige von AstraZeneca  – also genau der Risikogruppe, die am stärksten von einem weiteren zugelassenen Impfstoff profitieren würde. Die dabei häufig zitierten acht Prozent Wirksamkeit in hohen Altersgruppen fußen allerdings offensichtlich auf einem Missverständnis: Rund acht Prozent der Probanden der AstraZeneca-Wirksamkeitsstudie sind zwischen 56 und 69 Jahre alt gewesen, nur drei bis vier Prozent über 70 Jahre. Daraus lässt sich aber nicht eine Wirksamkeit von nur acht Prozent bei Älteren ableiten.

Am 28. Januar 2021 wurde dann gemeldet, dass der Impfstoff in Deutschland im Falle einer Zulassung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA lediglich für Personen zwischen 18 und 64 Jahren empfohlen werden soll. Diese Informationen gründete jedoch auf einem frühzeitig veröffentlichten, nicht endgültigen Entwurf einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO).

Am 29. Januar 2021 empfahl die Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) eine Zulassung des Impfstoffs AZD1222 in allen Altersgruppen über 18 Jahre, auch wenn die Daten in der Altersgruppe über 55 Jahre noch nicht ausreichten, um eine definitive Aussage über den Grad der Wirksamkeit für Ältere zu treffen. Die Expertinnen und Experten gehen aufgrund der Daten zur Immunantwort der älteren Altersgruppen und Erfahrungen mit anderen Impfstoffen aber davon aus, dass der Vektorimpfstoff auch bei älteren gut wirksam ist. Zusammen mit den Sicherheitsdaten spräche das daher für eine Anwendung in allen Altersgruppen über 18 Jahre.

Kurz darauf veröffentlichte auch die Ständige Impfkommission (STIKO) ihre offizielle Empfehlung. Die Hauptaussage unterschied sich nicht zu dem vorab veröffentlichten Entwurf: Für die Altersgruppe 65 Jahre und älter lägen bisher keine aussagekräftigen Daten zur Wirksamkeit („Efficacy“) aus den klinischen Zulassungsstudien vor. Das Gremium empfiehlt den Impfstoff AZD1222 daher für Erwachsene von 18 bis 64 Jahren. Die unabhängige Expertenkommission legte seiner Entscheidung die zusammengenommenen Daten aus vier randomisiert-kontrollierten Studien des Herstellers AstraZeneca zugrunde. Weniger als sechs Prozent der eingeschlossenen Probanden waren 65 Jahre und älter, was die Ursache für die reklamierte unzureichende Datengrundlage der Wirksamkeit in dieser Altersgruppe und damit die eingeschränkte Empfehlung darstellt – normalerweise sind es eher hunderte bis tausende Personen.

Die Entscheidung der STIKO sagt aber nicht, dass AZD1222 nicht wirkt, sondern einzig, dass in der Altersklasse über 65 Jahren noch zu wenig Daten verfügbar sind. Dies soll sich aber bald ändern und dann wird neu entschieden.

Im Vereinigten Königreich ist der Impfstoff seit Jahresende 2020 national zugelassen und wird dort und in weiteren Ländern an alle Altersgruppen verimpft.

Wie effektiv sind die Corona-Impfstoffe? Oder: Warum AstraZeneca kein Impfstoff zweiter Klasse ist

Mit der Information über ihre Zulassung titelten die Medien schon mit der Wirksamkeit der Impfstoffe: dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff wurde 95% Effektivität (1) bestätigt, Moderna 94% (2) und AstraZeneca 70% (3). Aber was bedeutet Wirksamkeit eigentlich? Spontan denkt man: ein Impfstoff wirkt entweder oder er wirkt nicht – wenn er eine Wirksamkeit von 95% hat, sind dann 5 Leute von 100 völlig ungeschützt? Und bei einer Wirksamkeit von 70% sind 30 ungeschützt? Diese zwar intuitive aber falsche Wahrnehmung kann dazu führen, dass manche sich lieber nicht mit dem AstraZeneca-Impfstoff impfen lassen wollen, wie aus repräsentativen Befragungen des Hamburg Center for Health Economics und des COSMO Konsortiums hervorgeht. Aber in Wirklichkeit müssen wir zwei wichtige Dinge betrachten: Erstens: Was bedeutet die Wirksamkeit eigentlich tatsächlich? Und Zweitens: Was bedeutet es, wenn eine Impfung „nicht wirkt”?

Wirksamkeit von Impfstoffen

Die Wirksamkeit wird in den Phase III Studien vor der Zulassung berechnet. In dieser späten Phase nehmen viele tausende Personen an der Studie teil. Von denen erhält eine Gruppe die Impfung und im Idealfall eine ebenso große Gruppe ein Placebo (also eine Spritze, ohne den zu testenden Impfstoff). Nun werden diese Personen einige Monate bis Jahre beobachtet. Neben möglichen Nebenwirkungen wird erfasst, wie viele der Probanden in der Zeit an COVID-19 erkranken. Als erkrankt zählt jeder, der Symptome hat – also auch die, die nur schwache Symptome haben.

Die Anzahl dieser Erkrankten wird nun genauer betrachtet: Um wieviel geringer ist die Anzahl der Erkrankten in der Gruppe der Geimpften im Vergleich zur Placebo-Gruppe? Dies ergibt die Wirksamkeit des Impfstoffes. Wirksamkeit bedeutet also eigentlich: die Reduktion des relativen Risikos, symptomatisch an COVID-19 zu erkranken. In den Impfstudien wird sie als „efficacy“ bezeichnet.

Beispiel

Gehen wir der Einfachheit halber von 1000 Personen pro Gruppe aus. Wenn von 1000 Personen in der Placebo-Gruppe 20 erkranken und in der Impfgruppe nur 10, dann ist die Impfung 50% effektiv denn sie hat die Zahl der Erkrankten (von 20 auf 10) um 50% reduziert. Wenn nur einer erkrankt, ist sie 95% effektiv denn sie hat die Zahl der Erkrankten (von 20 auf 1) um 95% reduziert. Das relative Risiko wurde also um den entsprechenden Prozentsatz gesenkt.

Zum Nachrechnen: Zunächst berechnet man das Verhältnis der Erkrankten in der Impfgruppe zu den Erkrankten in der Placebo-Gruppe (also 10/20 = 0,5 oder 1/20 = 0,05). Diesen Wert zieht man von 1 ab und erhält die Effektivität (1- 0,5 = 0,5 = 50% oder 1 – 0,05 = 0,95 = 95%).

Idealerweise werden Personen für diese Studien gewählt, die dem Risiko der Erkrankung so oder so ausgesetzt sind, zum Beispiel weil sie im Gesundheitswesen arbeiten. So lässt sich eine aussagekräftigere Studie durchführen, als wenn nur Personen teilnehmen, die jeden Tag im Homeoffice arbeiten.

Und was bedeutet es nun, wenn eine Impfung „nicht wirkt“?

In den Studien zählte jeder, der COVID-19-Symptome hatte, als erkrankt. Als erkrankt zählten also auch die, die nur milde Symptome hatten. Da man sich aber auch detaillierter angesehen hat, wie schwer die Verläufe bei den Erkrankten waren, konnte man feststellen, dass die Wirksamkeit gegen schwere Verläufe oder gar Tod bei bis zu 100% lag: der Krankheitsverlauf war bei den Geimpften weniger schwer, die Erkrankten mussten deutlich seltener ins Krankenhaus – und gestorben ist niemand. Und zwar bei allen drei Impfstoffen (1–3). In den Placebo-Gruppen sah das anders aus, dort waren unter den schwer Erkrankten auch Todesfälle zu verzeichnen (2,3).

Was heißt das jetzt für die Imfpstoffdebatte?

Effektivere Impfstoffe reduzieren das relative Risiko zu erkranken, also mehr als weniger effektive Impfstoffe. Aber wenn die Impfung „nicht wirkt“ und man trotzdem an COVID-19 erkrankt, ist man dennoch nicht völlig ungeschützt. Denn wer trotz Impfung mit einem der zugelassenen Impfstoffe erkrankt, der wird zumindest mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht schwer erkranken. Um schwerwiegende Verläufe oder Todesfälle zu verhindern, ist also die viel diskutierte Zahl der Effektivität der Impfstoffe gar nicht so zentral, denn hier schnitten alle drei ähnlich ab: und zwar sehr, sehr gut.

Literatur:

(1) Polack FP, Thomas SJ, Kitchin N, Absalon J, Gurtman A, Lockhart S, et al. Safety and Efficacy of the BNT162b2 mRNA Covid-19 Vaccine. N Engl J Med. 2020 Dec 31;383(27):2603–15.

(2) Baden LR, El Sahly HM, Essink B, Kotloff K, Frey S, Novak R, et al. Efficacy and Safety of the mRNA-1273 SARS-CoV-2 Vaccine. N Engl J Med. 2021 Feb 4;384(5):403–16.

(3) Voysey M, Clemens SAC, Madhi SA, Weckx LY, Folegatti PM, Aley PK, et al. Safety and efficacy of the ChAdOx1 nCoV-19 vaccine (AZD1222) against SARS-CoV-2: an interim analysis of four randomised controlled trials in Brazil, South Africa, and the UK. The Lancet. 2021 Jan;397(10269):99–111.

Dank geht an die beratende Expertin Parichehr Shamsrizi (Ärztin, Sektion Infektiologie, I. Medizinische Klinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)